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Ein weiteres " Märchen " aus meinem Reporterleben

FREI ERFUNDEN ?

In Essen hatte es vor Jahren den Versuch eines erweiterten Selbstmordes gegeben. Ich wohnte genau gegenüber, ich brauchte nur über die Kreuzung zu gehen und war am Tatort. Ich hatte das Glück, zwei weitere Kameramänner in unmittelbarer Nähe zu wissen. Ich rief sie an und sie kamen. Eigentlich tat sich vor der Tür des Tathauses nichts. Ich hatte bereits die Krankenwagen und den in das Haus laufenden Notarzt gefilmt. Auch die absperrenden Polizisten und das Flatterband. Im rechten Augenwinkel sah ich etwa zwanzig Minuten nach der Tatzeit den konkurrierenden Kollegen am Einsatzort eintreffen. Er unterhielt sich gerade mit einem Polizisten. Ich hatte mir nichts dabei gedacht und stand weiter auf meiner Position, um den Abtransport der Verletzten zu filmen. Und dann war es soweit, die Tür ging auf und der erste Rettungssanitäter war zu sehen. Er kam aus der geöffneten Haustür. Und das war es auch, was es von nun an für mich zu sehen gab. Ein weiteres Filmen wurde zum Albtraum: Der Polizist, den ich im Augenwinkel gesehen hatte, wie er mit dem eintreffenden Kollegen gesprochen hatte, stürzte sich auf mich. Ein vernünftiges Filmen war nicht mehr möglich. Es entstanden Jagdszenen, wie bei einer Schweinehatz nach einem Viehtransporterunfall auf der Autobahn. Ich wurde von gleich drei Polizeibeamten behindert, angegangen und gejagt. Es geschah wie aus heiterem Himmel, noch zuvor hatte ich mich bei diesem Polizisten ausgewiesen, und er kannte mich ja auch. Eigenartig war nur, dass alle anderen Kameramänner drehen durften. Was keiner wusste, einer meiner Leute hatte diese zehnminütige Jagd aufgezeichnet. Das Band stand bis jetzt im Archiv. Ich scheue Auseinandersetzungen und habe die Erfahrung gemacht, dass es sich nicht lohnt, sich zu beschweren. Die zuständigen Behörden versuchen immer mit allen Mitteln etwas unter den Tisch zu kehren.

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