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Wiebolds zusammengesponnene Fantasien

Geschrieben vor einem Jahr, am 16.10.2008

DIESE GESCHICHTEN SIND FREI ERFUNDEN UND NIE PASSIERT  

Sollten sich Personen angesprochen fühlen, so ist es nicht beabsichtigt und rein zufällig.

Anfang und Informant

Ein renommiertes Ausflugslokal brannte an einem See, es war das Dach, aus dem es heftig qualmte. Ich war schnell vor Ort und hatte den Rauch noch im Film. Eigentlich war nicht viel passiert, die Feuerwehr hatte den Brand schnell unter Kontrolle und ganz plötzlich stand er neben mir, als alles vorbei war, und sagte: „Jetzt krisse Konkurrenz, kannst dich auf was gefasst machen.“ Ich muss gestehen, ich kannte den Typen nicht. „Ich habe meinen Job geschmissen und mich auszahlen lassen. Was du kannst, kann ich schon lange.“ Ja, so etwas sagt sich immer leicht, wenn man nicht wirklich weiß, was es heißt, Tag und Nacht einsatzbereit zu sein. Tatsächlich, ich war überrascht. In den nächsten Tagen war er auch immer an den Einsatzorten und versuchte sein Glück als Polizeireporter. Nur mit Glück kommt man in diesem Job nicht weiter. Er kam immer später zum Einsatzort und beschwerte sich am nächsten Tag darüber, dass es eine Sauerei sei, dass immer nur meine Filme laufen würden. „Tja“, antwortete ich, „es ist nicht einfach, in diesem Job bestehen zu können, wenn man sich ständig auf dem Golfplatz herumtreibt oder feiert.“ Er zog keifend ab. Schon bald tauchte er selber gar nicht mehr auf, er hatte irgendwelche Studenten oder Schüler angeheuert, die nun vor dem Ziel standen, das ihr Chef verfehlte. Ihr Einsatz war zwar emsig, doch erfolglos, auch sie waren auf sich allein gestellt und erhielten keinerlei Unterstützung von ihrem Chef. Wie auch, seine eigenen Angestellten begannen sich am Einsatzort auszuweinen. So was hätten sie noch nicht erlebt, der ist nur auf'm Platz und spielt um Schampus. Als außen stehender Betrachter sah ich fast wöchentlich andere Gesichter mit der Kamera auf der Schulter. Eigentlich wussten sie gar nicht, was sie drehen sollten. Und da kam dann auch schon mal der Spruch: Was sollen wir uns den Arsch aufreißen, wenn der nur Golf spielt.“ Ja, es ist nicht schön, wenn der Chef dann irgendwann keinen mehr findet, der ihn „bedient“. Er muss selber wieder raus. Es begann das, was ich in folgenden Geschichten schreibe.

Maulwurf

Eine Razzia lief in einer Ruhrgebietsstadt. Die Polizei gab in solchen Fällen keine Auskunft. Du bist auf dein Näschen angewiesen und auf deine Erfahrung. Im Laufe der Jahre hattest du dir auch Informanten aufgebaut, denen du mittlerweile voll vertrautest. Klar, ich habe hart gearbeitet und war immer fair zu meinen Informanten. Auch sie hatte Spaß an dem, was ich tat, und erfreuten sich des Erfolges, wenn die Sachen, die sie gemeldet hatten, auf den Sendern liefen. Es gab auch keinen Grund, misstrauisch gegenüber diesen mir zum Teil befreundeten Personen zu sein. Aber wie das Leben so spielt, wenn einer ohne Erfolg ist und darauf hofft, dass ihm die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, dann muss er was tun, und so fiel mir irgendwann auf, dass plötzlich der Konkurrent an Einsatzorten eintraf, von denen er eigentlich nichts wissen konnte. Ich sah mir das einige Wochen an und hatte plötzlich die Gelegenheit, einen Versuch zu starten. In einer benachbarten Stadt lief eine Großrazzia. Handgranaten und Munition wurden in einer Wohnung gefunden und beschlagnahmt. Die Aktion war wie immer geheim. Von der Polizei gab es keine Auskunft, solange der Einsatz noch lief. Aber ich hatte ja meinen Hauptinformanten. Wir telefonierten täglich und tauschten uns aus. Aber wie schon geschrieben, es gab Einsatzorte, von denen wussten nur ich und mein Informant. Natürlich fragt man in solchen Fällen gerade bei seinem Informanten nach und tauscht sich über das Auftauchen der Konkurrenz aus. Und so erfuhr ich, was heucheln bedeutet. Der Informant tat überrascht und verwundert, auch er spielte den Ahnungslosen. Doch da war die Razzia und ich fuhr wie ein Besessener durch die Straßen der kleineren Nachbarstadt und wie es der Zufall will, stoße ich auf Einsatzhundertschaften. Die Fahrzeuge waren leer und die Polizisten hatten ein Haus umstellt. Sofort rannte ich los und filmte, was ich konnte. Ich war spät, aber noch genau im richtigen Moment vor Ort und da schoss es mir durch den Kopf: Informiere deinen Informanten, sage ihm, dass du den Einsatzort erreicht hast. Gesagt getan. Natürlich nannte ich ihm rein „versehentlich"  einen Straßennamen in einem ganz anderen Stadtteil und neben einem Ausflugslokal. Da es noch früh am Morgen war, konnte ich es mir erlauben, dieses Spiel zu spielen. Ich stellte mich in einen abgedeckten Waldweg und wartete. Es dauerte genau sechs Minuten, da tauchte er auf, der Golf spielende " Freund ". Verwirrt lief er mit der Kamera umher und suchte die Polizei. Peinlicher kann eine Situation nicht sein, schon gar nicht, als ich mein Auto startete und an ihm vorbeifuhr. Ich hatte ja alles im Bild. Der Einsatzort lag eben vier Kilometer südlich. Klar, dass der Informant für mich gestorben war. Monate später erfuhr ich, warum. Er zahlte übertriebene Summen, die von einem gesendeten Film überhaupt nicht erwirtschaftet werden konnten. Ich beendete das Verhältnis, hatte einen Freund verloren. Verloren, weil er des Geldes wegen zum Maulwurf wurde. Ich hatte jedoch noch andere Informanten, denen ich trotzdem vertrauen konnte. Wie es kommen musste. Mein ehemaliger Informant arbeitete jetzt für die so genannte Konkurrenz. Trotzdem war der Konkurrent immer wieder nur zweiter am Einsatzort. Ja, es ist eben schön, sich um nichts mehr zu kümmern, da der Informant einen ja auf dem Golfplatz anruft. Doch das ging nicht lange gut. Der Gedanke, mir meinen Informanten abgeworben zu haben, brachte ihm das Gefühl der Sicherheit. Monate später schmiss mein abgeworbener Ex - Informant hin. Er informierte und informierte´seinen Golfspieler, aber nur meine Filme liefen. Ich hatte eben die Flammen, die Menschenrettung, eben das, was einen echten Polizeireporter ausmachte. Die Hoffnung, dass er vom Golfplatz durch seinen neuen Informanten besser sei als ich, bestätigte sich nicht. Zahlungen in der Höhe wie zuvor gab es nicht mehr oder blieben ganz aus. Man trennte sich im Streit. Und wieder war ein Versuch gescheitert, seinen eigenen Erfolg zu „kaufen“. Jahre später bestätigte ein Gespräch den gesamten Vorgang.
Ja, die Jahre ziehen über das Land und Menschen ändern sich, sie bekommen ein schlechtes Gewissen und entschuldigen sich für das, was sie mir angetan hatten und wozu sie aufgefordert wurden. Es gibt nur ein Problem, sie haben eingesehen, was sie getan haben, aber der Wahnsinn des Mobbings geht weiter. Es wachsen immer neue Handlanger nach und der Auftraggeber spielt Golf.

Demütigend

Ja, es ist schwer, gegen einen alteingesessenen „Hasen“ anzutreten, seine Erfahrung und auch die Einstellung zu seinem Job, das ist auf normalen Weg einfach nicht zu schaffen. Denn wer erfolgreich sein möchte, sollte sich nicht ständig Gedanken machen, wo am Abend gefeiert oder am Nachmittag Golf gespielt wird. Die Tauben fallen nicht vom Himmel. Es gibt nur ein Mittel, eben diesen Menschen, die ganz in ihrem gewählten Beruf aufgehen und keine Freizeit oder Urlaub kennen, zu schaden oder sie fertig zu machen. Die Tricks und die kriminelle Energie, die Menschen aufbringen, um selber Erfolg zu haben, sind kaum zu glauben. Würden sie diese Energie in ihre nicht erfolgreiche Arbeit stecken, hätte es für sie vielleicht geklappt. Da gab es einige Monate, da wurde von der Konkurrenz nicht das dort geschehene Ereignis gefilmt, sondern ich wurde auf Schritt und Tritt mit laufender Kamera verfolgt. Wenn ich an Unglücksorten war, klemmte sich immer einer an meine Fersen. Begleitet wurden die Filmaufnahmen mit Zurufen wie: Wir zeigen der Welt und den Redaktionen, wie du dich draußen benimmst. Wenn du wüsstest, was wir schon alles gesammelt haben.“ Das waren die Sprüche, die einen fertig machten. Ich wusste, dass sie nichts haben können, aber dieser bewusste Terror, Terror, den ich einfach hinnahm, weil das alles niemand wissen wollte. Wenn es denn irgendwann mal zu einem Thema hätte werden können, kamen immer die Sprüche: „Och, das ist doch nur Kinderkram.“ Du hast als Gemobbter einfach keine Chance, einen Zuhörer für deine Probleme zu finden. Es bleibt einem eben nichts anderes übrig, als sich eine dicke Haut zuzulegen. Ich kann einfach nicht verstehen, dass jemand, der solche Aktionen mit den unterschiedlichsten Leuten durchführt, nicht Angst hat, irgendwann einmal aufzufliegen. Aber es gibt die Leute, die mir all diese Vorgänge bestätigen, jetzt, nach Jahren. Sie erzählen mir jetzt, was alles geschehen war. Aber als Zeugen wirst auch du diese Personen nie bekommen. So bleiben Mobbingopfer mit ihren Problemen in den meisten Fällen völlig allein. Das Schlimme ist, dass sie sich auch noch des Verfolgungswahns beschuldigen lassen müssen.

Bedroht

Er hatte gerade bei mir als Kameramann angefangen und auch gute Bilder von den Einsatzorten gebracht. Aber er war neu in diesem Geschäft, noch unerfahren und ein ängstlicher Typ. Er war in ........  stationiert. Eine Wohnung hatten wir ihm dort angemietet. Und dann brannte es.
Eine Schule stand in Flammen. Meterhohe Flammen loderten aus den Fenstern des Gebäudes. Mein Kameramann war schnell vor Ort und hielt in der ersten Szene die lodernden Flammen fest. Als ich sein gedrehtes Material in den Rekorder legte, traf mich der Blitz. Es gab nur eine einzige Einstellung von der brennenden Schule. Die zweite Szene zeigte schon das Einrollen der Schläuche von Feuerwehrmännern. Es dauerte lange, bis er mir beichtete, dass er massiv von der Konkurrenz bedroht worden sei. Er hätte seine Kamera abstellen müssen. Ansonsten hätte er sich nirgendwo in ........ mehr blicken lassen sollen. Es ist klar, dass dieser Kameramann für uns nicht mehr länger arbeiten konnte. Er traute sich nirgendwo mehr hin. Die Bilder, die er in der Folgezeit brachte, waren nur ein Abklatsch von dem, was hätte gedreht werden können. Er war nicht mehr in der Lage, ohne Angst zu filmen. Seine „Karriere“ als Kameramann war schneller beendet als erhofft.

Jagdszenen

In ........ hatte es den Versuch eines erweiterten Selbstmords gegeben. Ich wohnte genau gegenüber, ich brauchte nur über die Kreuzung zu gehen und war am Tatort. Ich hatte das Glück, zwei weitere Kameramänner in unmittelbarer Nähe zu wissen. Ich rief sie an und sie kamen. Eigentlich tat sich vor der Tür des Tathauses nichts. Ich hatte bereits die Krankenwagen und den in das Haus laufenden Notarzt gefilmt. Auch die absperrenden Polizisten und das Flatterband. Im rechten Augenwinkel sah ich etwa zwanzig Minuten nach der Tatzeit den konkurrierenden Kollegen am Einsatzort eintreffen. Er unterhielt sich gerade mit einem Polizisten. Ich hatte mir nichts dabei gedacht und stand weiter auf meiner Position, um den Abtransport der Verletzten zu filmen. Und dann war es soweit, die Tür ging auf und der erste Rettungssanitäter war zu sehen. Er kam aus der geöffneten Haustür. Und das war es auch, was es von nun an für mich zu sehen gab. Ein weiteres Filmen wurde zum Albtraum: Der Polizist, den ich im Augenwinkel gesehen hatte, wie er mit dem eintreffenden Kollegen gesprochen hatte, stürzte sich auf mich. Ein vernünftiges Filmen war nicht mehr möglich. Es entstanden Jagszenen wie bei einer Schweinehatz nach einem Viehtransporterunfall auf der Autobahn. Ich wurde von gleich drei Polizeibeamten behindert, angegangen und gejagt. Es geschah wie aus heiterem Himmel, noch zuvor hatte ich mich bei diesem Polizisten ausgewiesen, und er kannte mich ja auch. Eigenartig war nur, dass alle anderen Kameramänner drehen durften. Was keiner wusste, einer meiner Leute hatte diese zehnminütige Jagd aufgezeichnet. Ich scheue Auseinandersetzungen und habe die Erfahrung gemacht, dass es sich nicht lohnt, sich zu beschweren.

Peinliche Panne beim Mobbing blieb ohne Folgen

Nur ein kleines Beispiel aus der Reihe „Mobbing am Arbeitsplatz“. Mobbing, um jemanden und seiner Firma zu schaden mit allen Mitteln, die es gibt.
Es war schon spät am Abend, als ich in unserem Essener Studio gemeinsam mit einem Reporterteam einer öffentlich-rechtlichen Fersehanstalt saß. Ein renommierter Reporter hatte mich schon den ganzen Tag begleitet. Ich war mit einem Mikrophon verkabelt und alles, was ich sagte wurde, wenn gefilmt wurde, aufgezeichnet. Natürlich weißt du nicht, wenn du verkabelt bist, wann der Camcorder des beobachtenden Kameramannes läuft. Es versteht sich von selbst, dass man gerade in solchen Situationen vorsichtig ist mit dem, was man äußert und auch tut.
Plötzlich ein Anruf aus ......... : „Explosion in einem Wohnhaus!“
In Sekundenschnelle sprang ich auf, griff zu meiner Jacke und ab ging es mit dem Auto über die A .. nach ........ Im Fahrzeug ausnahmsweise mal nicht mein treuer Hund Eiko, sondern drei Reporter. Sie filmten jeden Schritt und zeichneten jedes Wort auf. Am Einsatzort eingetroffen sah ich, dass bereits ein konkurrierendes Kamerateam vor Ort war. Der so genannte Kollege lehnte genüsslich an einer Mauer und amüsierte sich über mein verspätetes Eintreffen. Er wohnte ja in der betreffenden Stadt und war garantiert schon zehn Minuten vor Ort. Da er nicht mehr filmte, bin ich davon ausgegangen, dass er schon sehr gute Bilder hatte. Trotzdem, so etwas interessiert mich nur am Rande, ich sah zu, dass ich meine Bilder bekam. Und immer im Schlepptau der Kameramann des Reporterteams. Mir gelang es, noch sehr gute Bilder zu bekommen, und ich machte mich ruckzuck zurück zum Studio. Dort überspielte ich mein gedrehtes Filmmaterial an die Morgensendungen. Mit Erfolg, alle Nachrichtensender berichteten über die Explosion mit meinen gedrehten Bildern.
Drei Wochen später öffnete ich den Briefkasten und hielt einen Brief des Deutschen Journalistenverbandes in der Hand. In diesem Schreiben wurde ich ermahnt, da sich eben dieser konkurrierende Kollege darüber beschwert hatte, dass ich ihn mit unlauteren Mitteln bei seiner Arbeit behindert hätte und verbale Äußerungen gegen ihn gerichtet haben soll. Natürlich habe ich sofort eine passende Antwort auf dieses Schreiben verfasst. Es ist schon peinlich, wenn mein gesamter Einsatz vor Ort im Film festgehalten worden ist und auf keiner Szene auch nur der Dunst des Beschwerdeführers zu sehen ist und schon gar keine unpässliche verbale Äußerung zu hören war. Resultat: Keine Antwort, keine Reaktion. Es mag sich jeder für sich vorstellen, wie es ist rauszufahren, wenn niemand dabei ist, der deinen Einsatz filmt.

Joguhrt mit Folgen

Es war auf der A .. bei ...... In der Nacht war ein Kühlzug mit Joghurtbechern umgestürzt. Palettenweise lagen die Becher auf der Fahrbahn, zum Teil beschädigt oder angedellt. Ich machte meine Filmaufnahmen. Nach etwa drei Stunden war der Havariemeister am Einsatzort eingetroffen. Er nahm den Unfallort in Augenschein. Sein Resümee: Die Ladung ist hin. Ein Entsorgungsteam wurde zum Unfallort geordert. Plötzlich wurde ich angesprochen, ob ich nicht einige Paletten mitnehmen möchte, da sie freigegeben worden sein sollen. Ein Bediensteter der Entsorgungsfirma stellte mir doch tatsächlich einige Paletten an die Fahrertür. Da ich einen Kindergarten wusste, der den Joghurt gerne genommen hätte, öffnete ich die Autotür und packte die Becher ein. Keiner der dort Anwesenden sagte etwas außer: „Lass es dir schmecken.“ Etwa eine Stunde später verließ ich den Unfallort. Ich fuhr nach Hause, um mich noch ein wenig auszuruhen. Es war acht Uhr morgens, als es bei mir Sturm schellte. Ich eilte zur Tür. Ein mir bekannter Polizeibeamter stand vor mir. „ Herr Wiebold, bevor ich sage, weshalb ich hier bin, möchte ich Ihnen sagen, dass zwei Kameramänner unten vor dem Hauseingang stehen und darauf warten, dass sie verhaftet und mit Handschellen abgeführt werden.“ Ich lachte und glaubte an einen Scherz. Doch dann sagte der Beamte: „Herr Wiebold, es handelt sich im Grunde um eine Bagatelle. Man hat Sie angezeigt, dass Sie Joghurtbecher vom Unfallort gestohlen hätten.“ Ich war sprachlos, eilte zum Fenster und sah tatsächlich Kameramänner mein Auto filmen. Denn die Paletten standen ja da drin. Kurzum, der Beamte bat mich, etwas später zur Wache zu kommen, um dort das Fahrzeug zu entleeren. Quintessenz. Tatsächlich hatte einer der Kameramänner bei der Polizei wohl wissend, dass die Mitnahme genehmigt war, eine Anzeige bei der Polizei erstattet. Die Sache wurde schmunzelnd zu den Akten gelegt. Keiner fragte, was der Sinn der Anzeige war.

Es muss raus

Es muss raus, du kannst dir das nicht länger gefallen lassen. Da hast du einen Job, der dich ausfüllt, in den du dein ganzes Herzblut hineinlegst und Tag und Nacht unterwegs im Einsatz bist. Freizeit gibt es nicht, du lebst nur mit deinem Job. Zwangsläufig bist du erfolgreich und schneller und erfahrener in dem, was du tust. Eigentlich ein Traum, den jeder gerne erleben möchte, Zufriedenheit mit dem. was man tut, für das man meint zu leben. Doch der Schein trügt. Bist du erfolgreich, sind die Neider und deren Missgunst nicht weit.
In einem Beruf, in dem die Aktualität zählt, gibt es keine Pausen, da gibt es kein Weihnachten und da fliegen dir die gebratenen Tauben auch nicht zu. Da musst du schon arbeiten und vieles zurückstellen, was an privaten Bedürfnissen für andere normal ist. Es ist ein Job, der dich rund um die Uhr auf Trab hält.
Ja, es ist schwer für andere, die meinen, was der kann, das kann ich auch. Es ist so einfach. sich eine Kamera zu besorgen und drauflos zu filmen. Aber dann die Ernüchterung. Du bist immer nur der Zweite am Einsatzort. Deine Filme drücken nur selten das aus, was erwartet wird. Die Erfolglosigkeit tritt ein. Ein Zustand, der für jeden schwer hinzunehmen ist und der zu anderen Maßnahmen verleitet bei der Konkurrenz.

Der Plan: Erfolgreich werden durch Mobbing.

Plötzlich tauchen sie auf, sie kommen aus dem Nichts und haben keine journalistische Ausbildung. Sie sind vorbestraft oder leben auf großem Fuß. Sie wollen es dir zeigen. Dich machen wir platt, du stirbst eh demnächst. Solche Sprüche musst du dir anhören und du bleibst damit alleine.
Aber damit kannst du noch leben, Sprüche tun nicht weh. Doch die Dinge, die noch passieren und ständig dich in Angst und Bedrohungszustände versetzten, die, die sind es, die dich zweifeln lassen. Du bleibst alleine, helfen tut dir keiner.
Da werden dir die Reifen zerstochen, Nägel senkrecht unter die Räder gestellt, das Auto zerkratzt, du wirst zugeparkt, der Autospiegel zerstört und Zucker in den Tank geschüttet. Und doch, du gibst nicht auf, du machst weiter. Zwangsläufig gerätst du immer mehr in den Fokus der Neider, die sogar nicht davor zurückschrecken, dritte, völlig unbeteiligte Menschen zu Straftaten zu animieren. Da bekommst du Post von der Polizei, dass du bei Rot über die Ampel gefahren bist, an einem Ort, an dem du nie warst. Da wirst du des Falschüberholens beschuldigt und viele andere Dinge mehr. Du bist alleine mit deinen Problemen. Keiner nimmt dir ab, dass diese Sachen erfunden und aus der Luft gegriffen waren, denn du kannst all diese Dinge nicht beweisen. Eigentlich nicht. Doch die Zeit bringt vieles wieder an den Tag zurück. Menschen, die tatsächlich diese Dinge taten, entschuldigen sich plötzlich und es tut ihnen Leid, was sie mir angetan haben. Aber was nützt es. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen und die Straftaten sind verjährt. Traurig ist es, dass du, wie viele andere in solchen Situationen hilflos und alleine bist.
Traurig, dass es alle wissen und keiner hilft oder schreitet ein. Was es bedeutet, über Jahre hinweg gemobbt zu werden, kann sich nur der vorstellen, der es erlebt hat.


Mit allen Wassern gewaschen

Ich eilte mit meiner Kamera den Bahnsteig eines Hauptbahnhofes nach oben. In einem so genannten „Toten Gleis“ war ein S-Bahn-Zug fast ungebremst gegen einen Prellbock gekracht. Notarzt, Polizei und Feuerwehr waren bereits am Einsatzort. Ich hielt mit meiner Kamera den Ereignisort im Film fest und begab mich an ein Fenster der S-Bahn. Da im Fahrgastraum noch Verletzte vom Notarzt behandelt wurden, filmte ich durch die Scheibe in das Innere des Zuges. Plötzlich ein lautes Schreien und Kreischen. „Wiebold, du bist pleite, du kannst deine Mitarbeiter nicht bezahlen.“ Viele Leute, darunter auch Polizeibeamte und Feuerwehrmänner, hörten mit. Mit laufender Kamera drehte ich mich um und hielt den Wortlaut mit Gesicht fest. Der sprechende Kameramann hatte natürlich sein linkes Auge zu und sah nur durch den Sucher seines Aufzeichnungsgerätes. Hätte er das linke Auge mal aufgehalten, dann hätte er gesehen, dass ich ihn bei seiner üblen Beschimpfung gefilmt habe. Trotz solcher schmutzigen Beleidigungen habe ich es nie gewagt, irgendwelche Schritte gegen diese Person zu unternehmen. Egal, wen ich auf das Mobbing ansprach, immer wieder bekam man zu hören, dass ich nur einen lästigen Konkurrenten loswerden wolle. Es war nur Wochen später. In einer Redaktion hatte der Wechsel des Redaktionsleiters stattgefunden. Da ich diesen bereits seit über zehn Jahren kannte, war es nicht nötig, mich bei ihm vorzustellen, wir duzten uns. Doch dann traf ich ihn im Treppenhaus und begrüßte ihn freudestrahlend. Allerdings verfinsterte sich sein Gesicht und er bat mich zu sich in sein Büro. Ich folgte ihm. Als die Tür geschlossen war, klärte er mich auf. Am Tag zuvor hatte sich eben der Kameramann vom Bahnhof bei ihm vorgestellt und erzählt, dass ich ihn vor vielen Leuten auf dem Bahnhof bei einem Zugunglück mit den Worten: „ Du bist ja pleite, du kannst deine Leute nicht bezahlen empfangen hätte.“ Polizeibeamte und viele andere hätten das auch gehört. Ich wurde blass, ich konnte es nicht fassen. Was war das denn? Ich unterbrach sofort das Gespräch des Redaktionsleiters und bat ihn, mich in ca. 20 Minuten wieder zu empfangen. Wortlos verließ ich das Büro. Ich eilte ins Archiv, zog die Kassette mit dem Video aus dem Rekorder und fuhr zurück. Ohne ein Wort zu sagen, bat ich bei meiner Rückkehr den Redaktionsleiter, sich das Video anzuschauen. Welche Folgen Menschen durch solches Mobbing erleiden, die dann keine Beweise haben, kann sich nur der ausmalen, der solche Dinge ständig erlebt.

Polizistin wird zum Mobbinghelfer

Zwei Fahrzeuge waren frontal zusammengestoßen. Es war mitten in der Nacht. Einer der Fahrer war seinen Verletzungen erlegen. Nicht ich, sondern einer meiner Mitarbeiter war bereits vor Ort, als ich etwa eine halbe Stunde nach dem Unfall eintraf, um mir ein eigenes Bild zu machen. An der Absperrung angekommen, zeigte ich meinen Presseausweis und wurde an den Unfallort gelassen. Ich steuerte auf meinen Mitarbeiter zu. Natürlich war auch ein anderer Kameramann bereits vor Ort. Er stand unmittelbar neben meinem Mitarbeiter und weiteren Fotografen. Da keine Eile bestand, warteten wir in einer Gruppe auf den Bestatter. Plötzlich verschwand der andere Kameramann über die Straße. Zielstrebig eilte er zu einer dort arbeitenden Polizistin, um wenig später zurückzukehren. Dabei machte er ein paar flotte Sprüche und witzelte darüber, dass ich ohne Kamera da sei und ob ich aus Altersschwäche nicht mehr filmen könnte. Natürlich fällt es schwer, solchen Kommentaren nicht zu antworten. Und wie aus dem Nichts hörte ich plötzlich die Stimme der Polizeibeamtin von der anderen Straßenseite, sie stand plötzlich vor mir und forderte nur mich auf, den Einsatzort zu verlassen oder ihr den Presseausweiszu zeigen. Die anderen Kollegen lachten sich scheckig. Seit über 25 Jahren bin ich in dieser Stadt bei der Polizei bekannt wie ein bunter Hund. Natürlich hatte ich den Presseausweis dabei, ich hatte ihn ja auch schon dem anderen Polizisten gezeigt. Ich hätte gar nicht dort stehen können, wo ich stand. Wenig später hörte ich die Stimme des Kameramannes, der lauthals lästerte und sich damit brüstete, dass diese Beamtin in seiner Schulklasse gesessen hätte und er sie nach langer Zeit wieder gesehen hätte. „Hat doch klasse funktioniert Wiebold, ne“, tönte es. Und das wird dir in Zukunft noch öfter passieren.

Zucker im Tank

Ein Haus war explodiert bei ...... . Den Anruf erhielt ich außerhalb meines Fahrzeuges am Morgen. Ich war noch keinen Meter an diesem Tag gefahren. In Windeseile schwang ich mich in mein Auto und fuhr los. Ich weiß nicht, warum ich ausgerechnet von Essen aus den Weg über die Autobahn A .. in Richtung .... genommen habe, um in Richtung ..... zu fahren. Eigentlich ein Umweg. Der direkte Weg wäre die B ... über .... gewesen. Ich fuhr also einen völlig unnormalen Weg in Richtung des Einsatzortes, was mir auch bewusst wurde, da dieser Einsatzort nordöstlich von ..... liegen sollte. Trotzdem, ich fuhr durch, die zwanzig Kilometer Umweg ließen sich nun nicht mehr vermeiden. Während meiner Fahrt bekam ich bereits einen Anruf aus einer Fernsehredaktion. Man sei an den Bildern interessiert und ob ich schon unterwegs sei. Ich bestätigte meine Fahrt zum Explosionsort und legte auf. Bei einer Geschwindigkeit von ca. 180 km in Höhe ..... explodierte plötzlich der Motor meines Fahrzeuges. Ein heftiger Knall ertönte und die Fahrleistung sank auf null. Ich konnte das Auto in der Spur halten und steuerte geradewegs ausrollend auf einen Parkplatz zu. Hinter einem Erdwall kam ich zum Stehen. Ich stieg aus, um mir den Schaden zu betrachten. Nein, da war nichts mehr zu machen. Der Motor war hin. In meiner Enttäuschung griff ich etwa 10 Minuten nach der Panne zum Telefon. Ich wollte die Sekretärin des Fernsehsenders darüber informieren, dass ich eine Panne habe und leider nicht weiter fahren und Filmaufnahmen liefern könnte. Doch ich hatte kaum die Nummer gewählt, da hallte es mir entgegen: „ Mensch Herr Wiebold, Sie haben aber auch Pech, was ist denn mit Ihrem Motor?“ Ich saß auf dem Fahrersitz und wurde blass. Was war das denn, wie konnte die Sekretärin von dem Motorschaden wissen? Aber irgendwie war es mir in diesem Moment auch egal und ich bestätigte verdattert den Vorfall. Neugierig fragte ich, wer sie denn über meine Panne informiert hätte. Leider kam das, was immer in solchen Fällen passiert, der Anruf war anonym eingegangen. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Wer wusste, dass ich zu diesem Zeitpunkt eine Panne hatte. Dann kam der Abschleppwagen. Natürlich betrachtete der Meister das defekte Fahrzeug und dann kam es aus ihm heraus: „Wer hat ihnen denn den Zucker in den Tank geschüttet?“
Es gibt Dinge, die weiß man, aber beweisen kann man sie nicht.

Mit allen Mitteln

Ein Militärfugzeug war bei der Landung in .... auf einem britischen Militärflughafen abgestürzt. Der Pilot kam ums Leben. Mehrere Reporter hatten sich vor dem Casino eingefunden, um an der angesetzten Pressekonferenz teilzunehmen. Den Absturzort hatte ich bereits gefilmt. Nur wenige Minuten nach Pressekonferenzschluss verließ ich das Gebäude. Ich packte die Kamera zusammen und startete in Richtung Ruhrgebiet. Nur wenige hundert Meter hinter der Kaserne tauchte plötzlich das Fahrzeug der so genannten Konkurrenz auf. Sie waren mit vier Leuten da gewesen. Eine Lichthupe schoss mir über den Rückspiegel ins Gesicht. Und noch bevor ich mir Gedanken über das Verhalten des Fahrers machte, wurde ich auch schon von dem Fahrzeug im Überholverbot überholt. Als ich nach links sah, blickte ich in grinsende Gesichter und drei Stinkefinger. Diese Sachen war ich gewohnt, ich dachte mir meinen Teil. Ich hatte es noch ca. einen Kilometer bis zur nächsten Kreuzung. Zu der Kreuzung, an der noch immer Polizeibeamte standen, die die Zufahrt zur Kaserne sperrten. Als ich mich der Kreuzung näherte, wunderte ich mich, dass der Pkw der so genannten Kollegen, der mich gerade überholt hatte, bei der Polizei stand. Ich dachte noch, das haben sie davon. „ Dummheit wird bestraft“. Vermutlich hatte sie ein Polizist beim Überholen beobachtet. Ich gebe es zu, der Gedanke erfreute mich und umso mehr war ich überrascht, dass der Polizist plötzlich vor mein Auto sprang und die Kelle hochhielt. Ich stand neben dem Pkw der " Kollegen ". Noch bevor der Beamte mich ansprach, schrie er zum Pkw rüber: „Sie können fahren.“ Und während der Beamte sich mir zuwendete, sah ich in seinem Rücken die berühmten Stinkefinger. Der Pkw fuhr ab und mir wurde erklärt, dass ich vor der letzten Kurve im Überholverbot eben diesen gerade abgefahrenen Pkw überholt hätte. Die Insassen hätten mich angezeigt. Ich war platt. Mein Einwand, wie es denn dann sein könnte, dass der Pkw als erstes an der Kreuzung eingetroffen war, wurde abgeschmettert. „Das erklären Sie besser vor Gericht.“ Während der Verhandlung wurde nur der Polizist gehört und der behauptete selber gesehen zu haben, wie ich überholt haben soll. Vom Anhalteort war die Stelle des angeblichen Überholvorganges nicht einzusehen. Ein Maisfeld versperrte über 500 Meter die Sicht. Die ursprüngliche Anzeige kam jedoch nicht von ihm, sondern von den Insassen des Pkw. Dem Richter reichte die Aussage des Polizisten. Die vier Zeugen wurden nicht mehr gehört. Ich ließ den Sachverhalt im Urteil vermerken. Du bist hilflos, wenn du alleine unterwegs bist. Aber es tut gut, wenn du zumindest von einigen reuigen Insassen Jahre später die Bestätigung des Vorganges bekommst. Aber das hilft dir jetzt nichts mehr.

Nagelprobe

Du bist immer schnell unterwegs. Deine Autos hatten und haben immer einige starke PS. Das heißt, auf der Autobahn fährst du nicht gerade langsam. Es war Sommer und ich stieg morgens in mein Auto. Ich war auf dem Weg zur Autobahn. Ein Unfall in ...... Doch weit kam ich nicht. Kurz vor der Auffahrt merkte ich das schwammige Fahrverhalten meines BMW. Ich stoppte an der Haltestelle Grugabad. Mein rechter Reifen war platt. Gerade jetzt, dachte ich, und versuchte so schnell wie möglich das Rad zu wechseln. Ich setzte die Fahrt fort. Am Nachmittag brachte ich den Reifen zu meiner Tankstelle. Der Tankwart sah sich das Gummiteil an und meinte trocken, indem er mit einer Zange einen fast sechs Zentimeter langen Nagel aus dem Profil zog: „Da hast du ja noch mal Schwein gehabt. Flicken ist nicht, muss ein neuer her.“ Der Reifen wurde bestellt. Am nächsten Abend war der neue Reifen da und er wurde sofort gewechselt. Eigentlich ein Vorgang, von dem man meint, dass es einfach jedem passieren kann, dass mal ein Nagel im Profil steckt. Ich hatte eigentlich bis dahin mit Nägeln im Reifen nichts zu tun. Etwa zwei Tage später fuhr ich wieder zu einem Einsatzort in .... . In Höhe ....... das berühmte Schwimmen im Fahrverhalten. Ich steuerte langsam die dortige Tankstelle an. Ich wechselte das Rad und sah zu meinem Entsetzen, dass erneut ein Nagel in dem Reifen steckte. Die Länge, der Kopf - völlig identisch. Wieder fuhr ich zu meiner Tankstelle. Wieder wurde ein Reifen bestellt. Wieder wurde er aufgezogen. Dass nach vier Tagen wieder auf der Autobahn das Schwimmen begann, brauche ich wohl kaum noch zu erwähnen. Wieder war es ein identischer Nagel. „Herr Wiebold, Sie scheinen ja nette Freunde zu haben“, war der Kommentar meines Tankwartes.Nach diesem Vorfall verbreiteteich das Gerücht, dass mein Auto Videoüberwacht wird. Und danach gab es keinen Nagel mehr in meinen Reifen.
Tatsäcklich hatte ich zwanzig Jahre lang keinen Platten durch Nägel und seit dem Vorfall nur noch normale schleichende Platten. War es wirklich nur ein Zufall mit den Nägeln innerhalb weniger Tage?

Morddrohungen

Der Lkw - Fahrer war hinter seinem Lenkrad zusammengebrochen. Seine Zugmaschine fuhr unkontrolliert gegen einen Ampelmast an einer großen Kreuzung in einer Stadt des Ruhrgebietes. Ein Unfall, der kaum irgendjemanden interessiert. Aber den Hergang erfährst du ja erst, wenn du vor Ort bist und dir der Sachverhalt erklärt wird. Also fuhr ich zum Unfallort und sah schon bei der Anfahrt, dass ich eigentlich gar nicht aus meinem Fahrzeug aussteigen müsste. Ein Lkw hatte lediglich einen Ampelmast angetitscht. Vom Motiv her völlig unspektakulär. Der Fahrer hatte einen Herzinfarkt bekommen. Trotzdem. ich war eingetroffen. Ich stieg aus und schulterte meine Kamera. Vor Ort befanden sich bereits ein Kameramann und ein Fotoreporter. Diese beiden waren immer gemeinsam unterwegs. Als ich mich diesen beiden Typen näherte, schallte es mir schon entgegen: „Du brauchst gar nicht erst zu filmen, du bist eh bald tot.“ Gehört hat es jeder, der am Unfallort war. Einschließlich eines Polizeibeamten. Ich reagierte gar nicht mehr auf solche Rufe und Drohungen. Ich habe diese Sprüche oft genug gehört. „Übrigens, pass auf deinen Hund auf. Der wird der erste sein“, hallte es noch hinterher. Mir reichte es, ich machte zwei, drei Sicherheitsbilder vom Einsatzort und verschwand. Wenn du vom gleichen Kameramann aber zuvor schon Drohanrufe und Morddrohungen per Telefon bekommen hast, dann kann sich jeder vorstellen, wie es einem geht, der ständig alleine in der Nacht durch die Straßen des Reviers fährt. Du kannst machen, was du willst. Dir hört keiner zu und alles wird als Kinderei im Kampf um die besten Bilder abgetan. Zeugen, die diese Sprüche gehört haben, weigern sich, diese Aussagen zu bestätigen. Wenn man allerdings weiß, aus welchem Mund diese Sprüche ständig sprudeln, dann sollte man doch wirklich einmal darüber nachdenken, warum man sich der Zeugenaussage verweigert. Ein vorbestrafter Krimineller, der als gewalttätig bereits in den Akten der Polizei steht und bereits im Knast saß. Aber all das interessiert keinen. „Wiebold, damit musst du leben. Der tut dir schon nichts, das sind nur Sprüche eines frustrierten Typen, der an dir so nicht vorbeikommt.“ Klasse, mit solchen Aussagen musst du alleine fertig werden.

Gewalt

Ich befand mich im Raum nebenan, dort hatten wir unser Archiv. Ein Handy klingelte vorne im Büro. Da es nicht meines war, blieb ich auf der Trittleiter vor den Regalen mit unserem Archiv stehen und sortierte die Filme weiter ein. Es ließ sich nicht vermeiden, Teile des Gesprächs, das einer unserer Angestellten führte, mitzuhören. Ordinäre Ausdrücke und hämisches Lachen schallte zu mir rüber und dann kam der Satz: „ Nö, ist nix los. Wenn nicht bald was passiert, ein Feuerzeug habe ich immer dabei.“ Ich war entsetzt und kam von der Leiter runter. Ich stellte den Kollegen, von dem ich wusste, dass er eine krumme Laufbahn hinter sich hatte, zur Rede. Ich hatte ihm bei uns eine Chance gegeben, nachdem er bei einer konkurrierenden Firma unzufrieden war und dort im Streit gegangen war. Zwar ging es mich nichts an, aber wissen wollte ich schon, wer am anderen Ende war. „Reg dich mal nicht auf, das war ein Freund und nur ein Spruch.“ Ich wies ihn darauf hin, dass solche Späße schnell ins Gegenteil umschlagen könnten. Er solle zukünftig vermeiden, solche Äußerungen zu tätigen, egal zu wem. Von diesem Tag an hatte ich echte Zweifel, ob es richtig war, ihn anzustellen. Es war nicht meine alleinige Entscheidung, sondern mein Partner hatte ihn mir empfohlen und gesagt: „Komm, wir können es ja mal versuchen.“ Wir hatten für den Kollegen eine Wohnung gemietet und er bekam einen Firmenwagen. Leider war uns entgangen, dass diese Person seit vielen Jahren keinen gültigen Führerschein mehr besaß. Wie uns das passieren konnte, kann jeder verstehen, wenn er jetzt auch noch liest, dass dieser Mann vor unserer Zeit sogar für offizielle Beförderungsdienstleister gefahren war. Die Entscheidung, sich von diesem Angestellten zu trennen, fiel nicht schwer. Mit welcher Begeisterung er diese  entgegennahm, kann sich jeder vorstellen, der einen hysterischen Choleriker vor sich stehen hatte. Das drückte sich am nächsten Abend aus, als ich an einer Tankstelle stand und auf Einsätze wartete. Plötzlich tauchte der „gefeuerte“ Kollege auf. Heftig wetterte er im Eingangsbereich auf mich ein. Breitbeinig, mit seinen tätowierten Armen in der Hüfte, drohte er mir, mich platt zu machen. Als ich ihm erwiderte, er solle es doch versuchen, konnte mein Partner gerade noch im letzten Moment dazwischen gehen. Wie von der Tarantel gestochen sprang er in Catchermanier auf mich zu. Ich zog es vor, den Ort so schnell als möglich zu verlassen. Es vergingen einige Wochen, in denen ich nichts mehr über den von uns Entlassenen hörte. Doch plötzlich tauchte er bei einem Einsatz wieder auf. Er hatte eine Kamera geschultert und tanzte wie ein Rumpelstilzchen vor meiner Optik. Er war zu der Firma zurückgekehrt, von der er im Streit gegangen war. Jeder kann  sich vorstellen, was ich nun an den Einsatzorten erlebte, bei denen auch er immer verspätet auftauchte. In den ersten Tagen waren es nur Sprüche und Gekicher mit einer Spannbreite von: „Du kannst einpacken“ bis „Ich bring dich zur Pleite“. Aber all das prallte an mir ab. Bald merkte der so genannte Kollege, dass er seinem erhofften Ziel, mich platt zu machen, nicht näher kam. Es dauerte nicht lange, da spürte ich bereits den heißen Atem in meinem Nacken. Gleich mit drei Begleiter tauchte er bei Einsätzen auf. Es wurde schwer, noch in Ruhe zu arbeiten. Ich hatte immer irgendwelche Leute, die ständig vor meiner Kamera herumtanzten und laute Sprüche losließen. Geier, Blutsauger, Leichenfledderer. Ich musste es mir hilflos anhören und gefallen lassen. Fortan hatte ich nur noch mit diesen Typen zu tun, die dann auch noch die Schaulustigen gegen mich aufbrachten. Natürlich wussten die Schaulustigen nicht, dass es hier die Kollegen des anderen Kameramannes waren, der lustig und unbehelligt alles, aber auch wirklich alles filmte. Sie schafften es sogar, Polizeibeamte auf inszenierte Tumulte aufmerksam zu machen und gegen mich aufzuheizen. Was konnte ich tun? Nichts. Ich hatte fortan auch gegen bestimmte Polizisten am Einsatzort einen harten Stand. Es gab Einsätze, da wurde ich nicht an den Unfallort gelassen, obwohl der Konkurrent vorbei durfte. Trotz dieser massiven Angriffe ließ ich mich nicht unterkriegen. In solchen Situationen bist du einfach hilflos, du kannst mit niemanden sprechen, denn keiner will es wissen. Die Kollegen der anderen Medien sahen die Auseinandersetzungen immer nur als "Amüsement" am Unfallort.
Alle wussten und wissen Bescheid, keiner schritt jeh ein und half.

 

 

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